Longevity
Die Bedeutung des Trainings und der Fitness
Der Begriff „Longevity“ bezeichnet mehr als eine möglichst hohe Lebenserwartung. Im Zentrum steht zunehmend die sogenannte Healthspan – also die Zahl der Lebensjahre, die ein Mensch bei guter körperlicher und geistiger Gesundheit sowie möglichst hoher Selbstständigkeit verbringt. Damit trifft Longevity den aktuellen Zeitgeist: Wearables, Biomarker, Schlaftracking und personalisierte Prävention sollen helfen, den Alterungsprozess besser zu verstehen und Gesundheit möglichst lange zu erhalten. Bei aller Faszination für neue Technologien bleibt jedoch ein Faktor grundlegend: regelmäßige körperliche Aktivität.
Sport und Bewegung wirken auf zahlreiche für gesundes Altern relevante Organsysteme. Sie verbessern unter anderem Blutdruck, Stoffwechsel, Körperzusammensetzung, Gefäßfunktion und mentale Gesundheit. Gleichzeitig sinkt das Risiko für chronische Erkrankungen. Die WHO weist darauf hin, dass körperlich unzureichend aktive Menschen ein höheres Sterberisiko haben als ausreichend aktive Personen. Für Erwachsene werden deshalb u.a. mindestens 150 bis 300 Minuten moderate oder 75 bis 150 Minuten intensive Ausdaueraktivität pro Woche empfohlen.
CRF als Schlüssel
Besondere Bedeutung für Longevity besitzt die kardiorespiratorische Fitness (Cardiorespiratory Fitness, CRF). Sie beschreibt, wie gut Herz, Lunge, Gefäße und Muskulatur bei Belastung zusammenarbeiten, um Sauerstoff aufzunehmen, zu transportieren und zu verwerten. Eine große Übersichtsarbeit von Lang und Kollegen aus dem Jahr 2024, die Daten aus 199 Kohortenstudien mit mehr als 20,9 Millionen Beobachtungen zusammenfasste, verdeutlicht ihre prognostische Bedeutung. Menschen mit höherer CRF wiesen gegenüber Personen mit niedriger CRF ein deutlich geringeres Risiko für einen vorzeitigen Tod auf. Besonders deutlich waren die Zusammenhänge hinsichtlich kardiovaskulärer Erkrankungen.
Für Longevity zählt damit nicht allein, wie viel Bewegung stattfindet, sondern auch, welche körperliche Leistungsfähigkeit daraus entsteht. Ausdauertraining, Alltagsbewegung und Krafttraining sollten deshalb nicht als kurzfristiges Fitnessprojekt verstanden werden, sondern als langfristige Investition in die eigene Funktionsfähigkeit. Die vielleicht wichtigste Longevity-Strategie ist daher erstaunlich einfach: Den Körper regelmäßig zu trainieren und seine körperliche Leistungsreserve bis ins hohe Alter zu erhalten.
Details
Autor:
Dr. Ulrich Schneider, Leitender Arzt Sportmedizin, Sportklinik Hellersen
zuletzt aktualisiert:
Wir im Sport 5/2026
Quelle:
Cardiorespiratory fitness is a strong and consistent predictor of morbidity and mortality among adults: an overview of meta-analyses representing over 20.9 million observations from 199 unique cohort studies. Lang JJ et al., Br J Sports Med 2024;58:556–566